Samstag, 11. November 2017

Adventskalender

Adventskalender

Der Adventskalender gehörte bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, vornehmlich in prostestantischen Haushalten, zum Brauchtum.
Verbreitet waren mehrere Varianten der „Zählung“, z.B. hing man für jeden Tag ein kleines Bildchen an die Wand, bis die 24 voll war oder malte 24 Kreidestriche an die Türe, die das vorfreudige Kind dann nach und nach wegwischen durfte. In katholischen Kreisen legte man bevorzugt jeden Tag einen Strohhalm in die Weihnachtskrippe.

Kalender kamen bereits gedruckt ab 1902 auf den Markt, bei denen die Kinder z.B. Bildchen mit Weihnachtsmotiven ausschneiden und aufkleben durften. Zwanzig Jahre später gab es den bis heute weit verbreiteten Türchenkalender, bei dem man täglich eine Tür öffnen durfte, um das dahinterliegende Motiv zu enthüllen.
Erst in den 1950er Jahren wurde es üblich, die Kalender mit Schokolade etc. zu verkaufen. Heute gibt es sogar Kalender mit Minispielzeug hinter den Türchen zu kaufen oder gar mit Konfekt mit oder ohne alkoholischen Pralinen bestückt.

Bei uns wurde der Dorfkalender oder auch Ortskalender vor vielen Jahren eingeführt, wie es auch bereits in anderen Orten zelebriert wurde. Es wurden also 24 Hausfenster geschmückt. Jeder konnte sich dafür anmelden. Ich war allein und hatte mich auch dafür entschlossen, ein Fenster mit adventlichem Motiv zu gestalten und suchte mir den Barbaratag, also den 4. Dezember, aus. Die Anmeldung war jeweils Anfang eines neuen Jahres und ich hatte also Zeit, mich mit diesem Tag auseinander zu setzen. Der Dezember schien noch so weit weg …

Kurz noch zur Hl. Barbara: Sie ist auch die Schutzpatronin der Bergleute, wird aber auch als legendäre Märtyrerin verehrt. Den Barbarazweig kennen wohl viele. Mehr kann man unter diesem Link erfahren: http://www.katholisch.de/glaube/unser-kirchenjahr/legendare-martyrerin

Es kam, wie es kommen musste: In dem Jahr wollte sich in mir absolut keine Weihnachtsstimmung einstellen. Die ersten Fenster im Ort waren bereits weihnachtlich geschmückt und einige Leute hatten bereits üppige Vorgarten- und Fensterbeleuchtung installiert.

Mit Unbehagen dachte ich an den 4. Dezember, an den Barbaratag. Dabei hatte ich mich lange Monate darauf gefreut.
Ich fühlte eine große Unlust in mir…
Eine Vorstellung hatte ich zwar, wie das Fenster aussehen sollte und auch einen Vortrag vorbereitet, aber letztlich schob ich die Gestaltung des Fensters immer weiter hinaus. Plätzchen mussten auch noch gebacken werden…

Am 30, Nov. war ich mit einem etwa 10jährigen Nachbarsmädchen zum Backen verabredet. Ihre Mama und noch eine Freundin wollten mir helfen beim Ausschenken während der Adventsfensteröffnung.
Noch nichts war bei mir adventlich dekoriert und ich dachte mir, wenn das Mädel kommt, sollte doch wenigstens das Küchenfenster ein wenig weihnachtlich aussehen, um eine entsprechende Atmosphäre zu schaffen. Gedacht, getan.

Gegen 15h trudelte sie bei mir ein. Ich hatte keinen Teig vorbereitet. Erfahrungsgemäß wollen die Kinder in dem Alter alles gerne selber machen. So war ich nur die „Co-Bäckerin“ oder auch Hilfskraft.

Mit Feuereifer ging es vorwärts. Wir sangen dazu, erzählten uns, lachten gemeinsam und ihre kleinen Hände waren flink. Nur beim Kneten habe ich geholfen, weil ihr die Kraft dazu fehlte.
Inzwischen waren etliche Bleche Kekse gebacken. Bei einigen kam Zuckerguss drauf und wurden mit Schokoladenstreusel bestreut. Um 18h sollte ich sie wieder nach Hause bringen. Die Zeit reichte noch zu einem Ubongospiel und wir konnten sogar noch einige Fotos in einem dicken Buch anschauen, die die Erde von oben zeigen.
Es war ein schöner Nachmittag. Abends bei guter Stimmung habe ich meine Adventsdeko fortgesetzt und endlich ist auch der Advent in mein Herz eingezogen.

Nun ging es aber mit Volldampf an die Umsetzung des Adventfensters ... Maße: 112  x  135cm… aus Fotokarton und Transparentpapier. Der Rahmen war am schwierigsten, weil viel gestückelt und auf dem Fußboden gearbeitet werden musste und sich der Rahmen andauernd etwas verschob…
Fast zwei Tage kroch ich auf Knien herum, bis es endlich fertig war, d.h. ich musste ein wenig mogeln. Die Zeit reichte nicht mehr aus, um die Barbara transparent einzupassen und den Turm sowie den Kelch habe ich auch weggelassen. Nun denn…
Das untere Drittel des Bildes bildete den Boden und in Anlehnung an den Barbarazweig wurde er mit Seidenblüten bestückt.
Zu dritt haben wir dann das Bild im Fenster befestigt. Dann wurden die Rolladen runtergelassen bis zum Barbaratag.

Der Barbaratag, 4. November, war da…
Nachmittags schauerte es draussen, und ich glaubte, dass wohl kaum jemand kommen würde. es findet ja nichts in den Räumen statt. Pünktlich hörte dann der Regen auf - Danke, Petrus!
Zu meiner Überraschung hatten sich viele Leute vor dem Fenster draussen eingefunden.

Um 18h wurde der Rolladen hochgezogen und ein „Ah“ und „Oh“ ertönte. Mir plumpste doch ein Stein vom Herzen.

Ich trug meinen Text über die Legende der Hl.Barbara vor und noch ein passendes Gedicht dazu. Liedermappen waren inzwischen schon verteilt worden, so sangen wir dann gemeinsam Adventslieder und ein Nachbarkind mit ihrer kleinen Freundin überraschten uns mit einem Blockflötenspiel.
Glühwein und Kamintee wurden gereicht, dazu gab es Gebäck und Christstollen. Es wurde viel geplauscht! Es war ein wunderschönes Gemeinschaftsgefühl inmitten dieser Menge und ich war sehr glücklich über diese gelungene Dorfkalender-Adventsfensteröffnung. Die Mühe hatte sich gelohnt und mein aufrichtiger Dank ging an alle meine Helfer. Ohne sie wäre es bestimmt nicht so schön geworden.
  
Alles fand im Jahre 2012 statt. Heute schreiben wir Nov. 2017 und ich denke gern zurück


 ©Ingrid Horn

Kommentare:

  1. hello,
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    https://amoriemeraviglie.blogspot.it/

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  2. hello to you too,
    Welcome here and many thanks for reading me. I'm pleased if you feel good with this blog.
    kind regards
    Ingrid

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  3. Ja, liebe Ingrid. Das ist eine schöne Erinnerung die du nun hast. Es wurde etwas gemütlich in mir, als ich deinen Erinnerungsbericht las, der noch sehr nah in dir ist. Diese empfundene Freude nach der Eröffnung des Fensters, dem Beisammensein mit netten Menschen bei Keksen, Stollen und Tee. Ein schöner Brauch. Ich habe Freude an deinen Erinnerungen gehabt. Danke dafür. Lieben Gruß. Helga

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  4. Liebe Ingrid, ich bin gern Deinen Erinnerungen gefolgt.
    Leider gab es bei uns zu Hause keinen Adventskalender und auch keine besonderen Rituale.Ja, der Nicolaus kam und da wurde ein Stutenkerl gebacken. Es klopfte unheimlich ans Fenster aber das war`s.Den Dorfkalender finde ich schön. Hier geht man am Adventssonntag zu Privatleuten die dann etwas besonderes vorführen oder Gedichte vortragen, es wird gesungen und auch ein Glühwein getrunken. Wer was macht meldet sich an und man kann dahin gehen.
    Einen lieben Gruß in den Sonntagabend, Klärchen

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  5. Diesen Brauch finde ich auch sehr schön und das Beste dabei ist, dass man ein Gefühl der Gemeinschaft dabei erlebt. Gerade in dieser mehr dunklen Jahreszeit in diesen Breitengraden verlassen viele nur ungern ihr Zuhause. Die Menschen brauchen die Menschen, zumindest die Majorität. Erlebte Gemeinschaft bereichert.
    Ich habe mich sehr gefreut über dein Kommen, Samti und danke dir für deine Worte. Lieben Gruß zu dir.
    Ingrid

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  6. Liebe Klärchen,
    den Brauch, den du schilderst in deinem Kommentar hört sich auch sehr gut an. Also jeder Interessent kann sich daran beteiligen und kann so sich in die Gemeinschaft einbringen. Fördert es doch auch ein positives Miteinander (meistens zumindest). Hier ist mir noch nichts dergleichen bekannt.
    Danke dir sehr für dein Feedback und wünsche dir ein schönes Wochenende.
    Ingrid

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