Montag, 3. Mai 2021

Momentaufnahme


 


 

Wie in den letzten Tagen ging mein Blick vom Wohnzimmer hinaus in den Garten. Immer noch steht dort im Blumenkübel eine einzelne Osterglocke. Sie blüht bereits seit ca. 4 Wochen und jeder weiß, welchem Wetter dieses Blümchen im April ausgesetzt war - und das schutzlos.

Es hat gehagelt und stark gewindet und heftig geschauert, so dass ihr Köpfchen um 90° links sich dem Rosenstock zuneigte. Eigentlich rechnete ich damit, dass die Osterglocke brach. Weitere Schauer und starke Nordwestwinde hat sie überstanden als auch einige Nachtfröste; inzwischen ist sie nun in ein betagtes Alter gekommen. Kurz: das Blümchen blüht immer noch.

Als ich heute durch das Fenster auf die Blume schaute, wiegte sie sich stark im Wind hin und her und ich bewunderte es, wie sehr es in seiner Biegsamkeit dagegen hält und immer wieder gerade steht.

Wie ist es bei uns Menschen? Haben nicht auch wir so manchen Sturm überstanden? Gibt uns das Blümchen nicht auch ein Beispiel, nicht gleich bei jeder Bö, Sturm, Unbillen oder Unbequemlichkeiten (wie zum Beispiel jetzt in der Pandemie) in Jammern zu verfallen, nur weil wir zur Zeit unseren Weg wie gewohnt nicht gehen können? 

Sicher, es gibt natürlich Ausnahmen, die so stark erwischt wurden/werden, dass Blumen brechen, aber sie auch dagegen halten, so entschlossen sie eben können.

 

® Ingrid Horn

 


Montag, 1. März 2021

Im Märzen der Bauer . . .

 



Im Märzen der Bauer sein Rösslein einspannt . . .

Ein altes Volkslied beginnt mit diesem Bild
Es geschah in der Stille, lieblich und mild
Zu schauen in noch unbestellte Felder
Am Rande von grünen Wäldern 

Dort wo der Himmel die Erde küsst
Sonne den Wanderer grüßt
Auf vielen Weiden Kühe grasen
Häschen geduckt in der Sasse saßen 

Wie anders sieht es heute doch aus
Riesige Pflüge brechen die Krume auf
Gesät wird nicht mehr nach alter Art
Maschinen übernehmen diesen Part 

Korn wird nur ganz wenig noch angebaut
Wo zwischen den Halmen der Mohn durchschaut
Mais gedeiht dafür weit und breit
Der leider nicht zum Verzehr gedeiht 

So ändert sich die Lebensweise
Alles dreht sich im anderen Kreise
Ob schlecht ob gut, wir wissen es nicht
Die Sonne geht auf, es wird wieder licht


© Ingrid Horn 

 

 


Montag, 22. Februar 2021

Lebensfreude

  

 




Ich bin reich, sehr reich sogar! Das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich von erschütternden Schicksalen Kenntnis erhalte. 

Bin immer noch gut „ausgestattet“ mit einer relativ robusten Gesundheit meinem Alter entsprechend. Von den kleinen Wehwehchen will ich hier nicht sprechen.

Habe Augen, die gut sehen,
Ohren zum Hören,
Glieder, die funktionieren.
Ich darf frei denken.
Brauche keinen Hunger zu leiden. 

Vor allem: Ich lebe! Ich durfte weiter leben! Erfreue mich am Morgen- und am Abendrot, an vorüber ziehenden Wolken. Wolkenbilder regen meine Vorstellungskraft an. 

Ich erfreue mich an der Natur, vom kleinsten Blümchen am Wegesrand bis zum mächtigen Stamm eines imponierenden Baumes, dessen Laub im Wind wispert. Am Bächlein am Wegesrand, welches lustig dahin plätschert bis hin zum riesigen Meer mit seiner tosenden Brandung. 

Alles dies darf ich ohne Angst genießen. Dafür bin ich unendlich dankbar. 

Wenn ich aus diesen vielen Geschenken nichts mache, habe ich selber Schuld. 

 

© Ingrid Horn - 14. Jan. 2015

Freitag, 22. Januar 2021

Liebe in schwierigen Zeiten

 



Wolken ziehen von einem Ort zum anderen

Darüber blaue Löcher wie Flecken

Wenige Sonnenstrahlen brechen zögernd durch

Und beglücken uns

In diesen so trüben Zeiten

 

Du und Ich stehen erdig

Seit Jahren zusammen

Erfüllt mit unserer Liebe

Der wir so unverhofft begegneten

Halten sie fest wie ein Geschenk

Wie gut fühlt sich Leben mit Dir an

 

So bilden wir zwei eine Oase

Im liebevollen Miteinander

Inmitten einer Welt

Voller Leid und wenig Glück

Mögen sich Oasen wie die unsrige

Vermehren in dieser geprüften Zeit

 

Jan. 2021


© Ingrid Horn


Freitag, 1. Januar 2021

Neujahr

 

Du neues Jahr
Du unbekannter Geselle
Was hast du im Gepäck
Für uns
Gutes oder Bitteres
Gemixtes oder Meliertes

Am ersten Tag des Jahres
Du bist noch so rein und wahr
Wir öffnen uns für deine Tage
Und hoffen auf eine
Wunderbare Lebenswaage



© Ingrid Horn

 

Freitag, 4. Dezember 2020

 Barbaratag


Vor einigen Jahren wollte sich in mir absolut keine Weihnachtsstimmung einstellen. Die ersten Fenster in der Nachbarschaft waren bereits weihnachtlich geschmückt und einige hatten bereits üppige Vorgarten- und Fensterbeleuchtung installiert. Mit Unbehagen dachte ich an den 4. Dezember, an den Barbaratag. Dabei hatte ich mich lange so sehr darauf gefreut. Schon Anfang des Jahres hatte ich mich für ein Adventsfenster des Dorfkalenders angemeldet. Seit 14 Jahren wurde es hier im Ort zelebriert. Meine Anmeldung war die erste und ich konnte mir somit ein Datum aussuchen und wählte den Tag der Heiligen Barbara. . . Schon immer wollte ich gerne daran teilnehmen, hatte aber nie die Zeit dafür gefunden. - Jetzt war es fast so weit und ich war auf einmal so lustlos . . . Nun, ich hatte zwar eine Vorstellung davon, wie das Fenster aussehen sollte und auch einen Vortragstext vorbereitet, aber die Gestaltung des Fensters schob ich immer weiter hinaus. Plätzchen mussten auch noch gebacken werden. . . Am 30. November war ich mit einem etwa 10jährigen Nachbarsmädchen zum Backen verabredet. Ihre Mama und noch eine Freundin wollten mir helfen bei Ausschenken während der Adventsfensteröffnung. Bei mir war noch nichts adventlich dekoriert und ich dachte mir, wenn nun das Mädel kommt, sollte doch wenigstens das Küchenfenster ein wenig weihnachtlich aussehen, um eine entsprechende Atmosphäre zu schaffen. Gedacht, getan.


Gegen 15h trudelte sie bei mir ein. Ich hatte keinen Teig vorbereitet. Erfahrungsgemäß wollen die Kinder in dem Alter alles gerne selber machen. So war ich nur die „Co-Bäckerin“ oder auch Hilfskraft. . . Mit Feuereifer ging es vorwärts. Wir sangen dazu, erzählten uns, lachten gemeinsam und ihre kleinen Hände waren flink und nur beim Kneten habe ich geholfen. Inzwischen waren etliche Bleche Plätzchen gebacken. Bei einigen kam Zuckerguss drauf und wurden mit Schokoladenstreusel bestreut. Um 18h sollte ich sie wieder nach Hause bringen. Es reichte noch, um Ubongo zu spielen und sogar noch einige Fotos in einem dicken Buch anzuschauen, die die Erde von oben zeigen. . . Es war ein sehr schöner Nachmittag, abends bei guter Stimmung habe ich meine Adventsdekoration fortgesetzt und endlich war auch der Advent in mein Herz eingezogen. Nun ging es aber mit Volldampf an die Umsetzung des Adventsfensters . . . Maße: 112 x 135 cm . . . aus Fotokarton und Transparentpapier. Der Rahmen war am schwersten, weil viel gestückelt und auf dem Fußboden gearbeitet werden musste und der Rahmen sich andauernd etwas verschob . . . .Fast zwei Tage kroch ich auf Knien herum, bis das Bild endlich fertig war, d.h. ich musste ein wenig mogeln. Die Zeit reichte nicht mehr aus, um die Barbara transparent einzupassen und den Turm sowie den Kelch habe ich auch weggelassen. Nun denn . . . Zu dritt haben wir dann das Bild im Fenster befestigt.

Nachmittags schauerte es draußen und ich glaubte, das wohl kaum Jemand kommen würde. Es findet ja nicht in dem Räumen statt. Pünktlich hielt der Regen auf . . . Danke Petrus! Der Rolladen wurde um 18h hochgezogen und ein „Ah“ und „Oh“ ertönte. Mir plumpste ein Stein vom Herzen. Zu meiner Überraschung hatten sich viele Leute eingefunden. Ich trug meinen Text über die Legende von Barbara vor und noch ein passendes Gedicht dazu. Liedermappen waren schon verteilt und so sangen wir alle gemeinsam Adventslieder und das Nachbarkind mit ihrer Freundin überraschten mit einem Blockflötenspiel. Glühwein und Kamintee wurden gereicht, dazu gab es eben die Plätzchen und Christstollen und es wurde geplauscht. Ein wunderschönes Gemeinschaftsgefühl war inmitten der Menge und ich war sehr glücklich über diese gelungene Dorfkalender-Adventsfensteröffnung. Die Mühe hatte sich doch gelohnt!


© Ingrid Horn

Samstag, 27. Juni 2020

Traum unterm Lindenbaum






Unter einem Lindenbaum
Saß ein junges Mädel fein.
Der Blütenduft betörte sie
und wohlig träumend schlief sie ein.

Sie träumte von ihrem Herzensblatt,
Er küsste sie inbrünstig auf den Mund.
Das Mädchen genoss im Traum den Kuss …
Es war nur eine Blüte, die fiel herab.





© Ingrid Horn