Freitag, 14. April 2017

Karfreitag 2017



Ein Datum, welches mich an meinen zu jung verstorbenen Cousin erinnert. Er ging mit Rückenbeschwerden ins Krankenhaus und die Diagnose lautete damals Krebs im Endstadium. Sechs Wochen später war er tot.
Die Beerdigung war nicht einfach. Sein Bruder hatte Lungenkrebs, ich selber ein Magniles Melanom und fiel durch alle Raster, weil man den Primärtumor verworfen hatte. Meine Mutter war ein Jahr zuvor gestorben, mein Mann hatte zwar seinen ersten Krebs gut überstanden, der aber wieder nach 10 Jahren ausgebrochen war, es folgten zwei Jahre eines Martyriums. Trotzdem: Dankbarkeit für die geschenkten zehn Jahre! Was für eine Zeit! Mein Cousin wurde nur 56 Jahre alt. Er wäre heute 71 Jahre alt geworden. Es folgte ein Schlag auf den anderen. . . Dabei hatte ich damals immer angenommen, dass meine Schale doch schon eigentlich genug gefüllt war mit Lebensstürmen. . . aber schwere Jahre setzten mein Schiffchen noch arg zu. Mit ganz kleinen Schritten, die mich lehrten das Glück in dem Makrobereich zu entdecken, schipperte ich durch das Meer des Lebens weiter.
Trotzdem, aus all dieser Zeit wurden die Sensoren verfeinert für das Wesentliche im Leben.

So wird so manches Lebensschiff heftigen Stürmen ausgesetzt. Man ist durchaus kein Einzelfall! In dieser Zeit habe ich Schicksale kennen gelernt, die mindestens ebenso oder gar noch trauriger waren, als ich selber erleben musste.

Erinnerungen hervorgerufen nach einem Beitrag im Deutschlandfunk heute Morgen über einen Jakobs-Pilger mit Namen Helge. Er musste durch ein anderes sehr tiefes Tal hindurch gehen für viele Jahre und fand die Kraft, sich aus dem Tal zu entfernen. Ich denke, jeder hat sein eigenes Tal im Leben zu durchschreiten. Es sind die Schleifsteine des Lebens . . .

Durch ein Schlüsselerlebnis nahm er seinen positiven Faden auf und die anstehenden Prüfungen, die ihm nicht erspart blieben, hat er bestanden. Heute ist er wieder auf einem Höhenweg und hat seinen Horizont stark erweitert und schaut mit anderen Augen in seine Zukunft. Hat wieder Zuversicht und Glauben gefunden.

Wenn die eigene Welt grau in grau erscheint und dann zwischendurch Sonnenstrahlen die Seele erwärmen bekommt man wieder Kraft und Zuversicht. Das geschieht immer wieder und so kann man sich durchaus getragen fühlen.

© Ingrid Horn


Samstag, 28. Januar 2017

Noch ein Haiku




                                                           Die Nacht hier verbrennt

                                                           Neuer Tag wird geboren

                                                               Im eiskalten Wind



©Ingrid Horn

Mittwoch, 4. Januar 2017

Haiku - Winter



                                                             Schnee und Eisblumen

                                                          zaubern eine Märchenwelt

                                                                   der Eiskönigin

cc. Ingrid Horn

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Aus Alt wird Neu



Das Jahr 2016 ist fast zu Ende, das so extrem gefüllt ist mit Fakten und Tatsachen auf den verschiedensten Ebenen. Einiges kann man bereits beurteilen, anderes noch nicht, denn die Auswirkungen werden sich in ihrem ganzen Umfang erst noch zeigen - mit unbestimmten Ausgang. . .

Die Welt erscheint mir manches Mal ins Trudeln zu geraten. Ich hoffe dann immer, dass sie ihr Gleichgewicht wiederfinden möge - so gut es eben geht. Denn im wirklichen Gleichgewicht war Mutter Erde wohl noch nie. Man kann dies aus geologischer, politischer als auch aus sozialistischer oder gar kapitalistischer Perspektive betrachten.

Warum kann der Mensch nicht aus der Geschichte lernen? Warum muss jede Generation Fehler der Vorfahren wiederholen? Es scheint zum Verhaltensmuster der Menschheit zu gehören.

Ich bin mir bewußt, dass wir vor einem neuen Abschnitt unserer Existenz, unseres Lebens stehen. Es gilt, dass ein Jeder in seinem Umkreis sich mitmenschlich sowie auch in Respekt vor jeglichem Leben und unserer Umwelt verantwortlich verhalten muss, wenn wir ein besseres Klima für alle und auch für die Nachwelt erhalten wollen.

Ich habe einen Minikalender mit dem Coverbild mit folgendem Zitat geschenkt bekommen:

 
  „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“
                                                                                                                Hesekiel 36.26

Mich haben diese Worte sehr berührt und meine kleinen grauen Zellen fingen ohne mein Zutun an zu laufen mit dem gedanklichen Resultat, wie oben geschrieben.

So sind denn meine Wünsche und Hoffnungen für das Jahr 2017 folgende: Ich wünsche mir ein wärmeres Miteinander unter den Menschen, mehr Gerechtigkeit und mehr durchdachtes verantwortliches Handeln.
Allen die hier lesen ein gesundes, bereicherndes und rundherum gutes Jahr 2017!



Ingrid Horn

Donnerstag, 4. August 2016

Marine-Ehrenmahl in Laboe


Der 28. Juni 2016 hielt für mich ein ganz besonderes Erlebnis bereit. Wir fuhren nach Laboe und ließen den trüben Himmel im Landesinnern hinter uns. An der See reißt der Himmel eher auf und als wir dort ankamen, war eitel Sonnenschein. Ein Himmel voller gebirgigen Kumuluswolken, die durch das Sonnenlicht besonders eindrucksvoll ihre verschiedenen Schichten ihrer Zusammensetzung zeigten, empfing uns.

Über die natürlich wissenswerten Daten möchte ich hier nicht berichten, die kann man in aller Ruhe auf Wikipedia nachlesen. Sondern ich möchte meine Impressionen, Gedanken und Gefühle schildern, die mir dieser Besuch in Laboe beschert hat.

Unser Weg führte am trocken gelegenen U-Boot 995 vorbei, dessen Länge mich überraschte. Es liegt in unmittelbarer Nähe des Ehrenmals.

Etwas weiter liegt die etwas höher gelegene Gedenkstätte. Der Aussichtsturm hat eine Höhe von 68m. Die erste Aussichtsplattform kann man in Höhe von 57m mit dem Fahrstuhl leicht erreichen und es bietet sich eine grandiose Aussicht über die Kieler Förde bis hinaus auf die offene See und natürlich auch ins Landesinnere.

Die angrenzende Halle beinhaltet weitläufige Ausstellungsräume, die dem Gedenken der Gefallenen der Marine des Ersten und des Zweiten Weltkrieges gelten.

Im Jahre 1954 erhielt das Ehrenmal einen erheblichen Bedeutungswandel, nämlich der nationale Charakter voltierte zum internationalen Charakter. Im Jahre 1996 wurde wieder eine Umwidmung vorgenommen. Der neue Kontext hat für mich einen versöhnlichen Inhalt, denn es wurde eine Gedenkstätte für die auf See Gebliebenen
a l l e r  Nationen und ein Mahnmal für eine 
f r i e d l i c h e    Seefahrt auf freien Meeren.
 



Von den Ausstellungräumen führen Stufen hinunter zu einem tunnelartigen Gang. Zu beiden Seiten hängen an den Wänden Gedenkkränze mit Angaben des Anlasses und der Gang mündet in eine Art riesiger runder Grabhalle. Ein Gang führt an den Außenseiten rundherum und die Wände sowie die vielen kleinen Nischen zur Mitte hin weisen Tafeln und Grabschmuck auf, teilweise mit Grablichtern bestückt, die ganz persönliche Daten von Angehörigen der deutschen Marine beinhalten, die seit 1955 in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben ließen.

Mittig dieser Grabhalle fiel von oben
durch bunte Glasbausteine gedämpftes Licht auf einen Kreis, um den rundherum ebenfalls Kränze lagen und Grablichter brannten.

Die zu über vielen hunterttausenden Gefallenen in der ganzen Welt, gemessen an den vielen Schicksalen dieser Menschen und ihrer Hinterbliebenen beschäftigten noch meine Gedanken beim Eintritt in diese sehr pietätvoll gestaltete Grabhalle. Beim studieren der Tafeln in den Nischen, die besondere Atmosphäre in diesem Raum und wieder einmal die Erkenntnis, dass der Mensch offensichtlich nichts aus der Geschichte zu lernen scheint in Verbindung mit der jetzigen aktuellen politischen Situation weltweit, nahmen mir fast die Luft zum atmen.


cc. Ingrid Horn

Montag, 13. Juni 2016

So weit . . .




So weit der Himmel reicht
Sich Blüten im Winde wiegen
So weit ein Sonnenstrahl
Die Haut streichelnd erwärmt
So tief berührt deine Liebe
Mein Herz und meine Seele


copyright by Ingrid Horn

Samstag, 21. Mai 2016

Traumhafte Frage


Die Eltern waren mit ihrem fünfjährigen Jungen unterwegs auf einem kleinen Sonntags-Ausflug in die Natur. Es ging erst durch einen kleinen Hain und der Papa machte Jens auf manches Pflänzchen und Käfer aufmerksam und mit einer kleinen Erklärung oder einer Geschichte versuchte er das Interesse des Sohnes für die Natur zu wecken. Damit es dem Kleinen nicht zu langweilig wird, nahmen ihn die Eltern an die Hand und spielten mit ihm „Hollerhutsch“. Er wurde dann an die Hände und unter seine Achsel gefasst und bei holler- holler- hollerhutsch ging es dann ab in die Luft , wie auf einer Schaukel. Das liebte er besonders und konnte nicht genug davon bekommen.
Manchmal nahm Papa Jens auch an die Hand und dann hüpften sie der Mama voraus, immer von einem Bein aufs andere und die Mama tat dann so, als käme sie nur schwer hinterher. Diese Spaziergänge mochten sie alle drei gern.
Der Hain lag inzwischen hinter ihnen und der Weg führte jetzt durch eine Graslandschaft, durchbrochen mit niedrigem Buschwerk. Ihr Ziel war ein Wasserauffangbecken, wo der Sohnemann sein Schiffchen schwimmen lassen konnte. Der Wasserrand des Beckens war befestigt mit Wackersteinen, die abwärts sichtbar bis zum oberen Wasserrand führten. Das Bassin wurde vom Kühlwasser des nahe liegenden Werks gespeist.
Dort angekommen kannte ihre Verwunderung keine Grenzen, denn aus dem Wasser ragte ein Düsentriebwerk eines Flugzeuges. Wie gebannt schauten sie darauf und noch mehr, als plötzlich ein Pilot aus dem Wasser auftauchte, der nun bis zur Taille im Wasser stand. Immer mehr Leute tauchten aus dem Wasser auf und schauten mit ausgestreckten Händen und verzweifelten Gesichtern offensichtlich unter Schock auf die Leute, die sich inzwischen am Wasserrand eingefunden hatten.
Viele standen wie erstarrt und einige zückten ihr Handy und filmten die Situation. Plötzlich riss sich der kleine Jens von Mutters Hand los und lief mit ausgestreckten Armen an den Rand des Auffangbeckens um zu helfen. Erst da löste sich die Starre der Eltern und gaben Hilfestellung, die Leute aus dem Wasser an Land zu ziehen. Die Gaffer rundherum beobachteten das ganze Geschehnis, ohne sich zu rühren.


Als ich erwachte, fühlte ich mich sehr benommen. Irgendwie ließ mich dieser Traum nicht los. War es ein Fingerzeig zu meinen Gedanken? Ist unsere Gesellschaft wirklich schon so eiskalt geworden, dass erst ein kleiner Junge den Hinweis geben muss, wenn Hilfestellung geboten war?

©Ingrid Horn